Erfahrungsbericht einer jungen, zu Beginn ihres Beruflebens überforderten, Person
Es gibt verschiedene Arten, als junger Mensch auf das Berufsleben zu blicken. Die einen fangen voller Elan das hart erkämpfte Traumstudium an, besonders gefragt: Medizin; die anderen können sich nichts Schlimmeres vorstellen, als weitere Jahre damit zu verbringen zu lernen, geschweige denn, den Rest ihres Lebens zu arbeiten.
Naja, und welcher Typ bin ich, fragen Sie sich nun vielleicht?
Nach dem bestandenen Abitur mit frisch gebackenen 18 Jahren standen mir alle Türen offen.
Viel zu viele Türen für meinen Geschmack, wollte ich doch hinter jede von ihnen blicken… Zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben hatte mich die Auswahl erschlagen. Nicht, weil ich mir keine Gedanken über meine Zukunft gemacht hätte, nein, ganz im Gegenteil, hatte ich mir zu viele Gedanken gemacht.
Folglich war mir jede Stellschraube bewusst, an der ich drehen konnte. Und jede einzelne davon, so hatte ich den Eindruck, könnte mein gesamtes Leben gravierend verändern. Ob ich nun Gehalt, Zukunftssicherheit, Sinnhaftigkeit oder Arbeitsumfeld zur höchsten Priorität für meine Berufswahl machen sollte? Auch die anekdotischen Erzählungen aus meinem Elternhaus brachten mich nicht weiter, gehörte doch mein Vater in die erste Kategorie Schüler. „Schon in der achten Klasse wusste ich, dass ich Physik studieren werde.“ Prima.
Einige Tränen und ein wenig Recherchearbeit später stieß ich auf ein unscheinbares, dennoch Berufswelt-veränderndes YouTube-Video. Da sprach der junge Mann in seinem Video doch tatsächlich davon, dass ein Freiwilligendienst nicht nur Kinderbetreuung und Altenpflege umfasste…sah ich da etwa Licht am Ende des Tunnels? Was leuchtete dort nur? War es etwa…das FSJ-Kultur?!
Die Idee: ein Jahr lang einen Kulturbetrieb kennenlernen, hart schuften, wenig verdienen, mich selbst kennenlernen.
Und so sollte es dann auch kommen. Bei meiner Stellensuche fand ich die wundervolle Einsatzstelle PODIUM, deren Mitarbeiter*innen mich herzlich in ihr Team aufgenommen haben. Und nun, ich kann es kaum glauben, ein Jahr später sitze ich hier und schreibe diesen Erfahrungsbericht und das mit einer völlig neu gewonnenen Sicherheit im Leben.
In meinem FSJ-Kultur habe ich nicht nur viele tolle neue Menschen kennengelernt, Shoutout an Seminargruppe 5, sondern ich hatte endlich die nötige Zeit, mich mit Bewerbungsprozessen, Hochschulen, Unis und Studieninhalten auseinanderzusetzen. Und in der Zwischenzeit konnte ich reisen, habe völlig neue Musik erlebt, Grenzen und Stärken kennengelernt und ganz viel ausprobiert.
Eine meiner wichtigsten neu erlernten Fähigkeiten dabei ist wohl der Umgang mit der digitalen Arbeitswelt, denn anders als von einigen angenommen reichte der Crashkurs im digitalen Arbeiten zu Homeschooling-Zeiten noch lange nicht aus, um ein umfangreiches Repertoire an Shortcuts, Fähigkeiten und Gewohnheit aufzubauen.
Das änderte sich während meiner Zeit bei PODIUM, da sich der Bereich Kommunikation und Marketing als meine Stärke herausgestellt, wodurch sich Fähigkeiten beim Bearbeiten von Bildern, unter anderem mit Grafikprogrammen wie Adobe Express, InDesign und Canva, als unerlässlich erwiesen.
Doch auch anfängliche Kopfschmerzen mit Word und Excel blieben mir nicht erspart, beides Programme, die neben Google Drive stetige Begleiter während meines FSJs waren. Nun freue ich mich darauf, mein Wissen in Bezug auf diese Programme im weiteren Arbeitsleben mit viel Selbstverständlichkeit verwenden zu können.
Und um jetzt noch die Frage von vorher zu beantworten. Ich bin keiner der beiden konstruierten Typen von Schülern nach dem Schulabschluss. Denn die Welt ist komplex und auch die Berufsfindung ist da keine Ausnahme. Ich fühle mich nach meinem FSJ jedoch selbstbewusster, gestärkter und auch ein wenig erholter als nach dem Abi. Nun habe ich eine neue Motivation, endlich „raus in die Welt“ zu gehen. Unter anderem, weil ich sehen durfte, wie schön es ist, über mich hinauszuwachsen.
Ich danke meiner Einsatzstelle PODIUM und richte außerdem einen großen Dank an die LKJ, dem Träger meines Freiwilligendienstes Kultur.
Sima Aslan
FSJlerin September 2025 – September 2026