PODIUM ESSLINGEN
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The Ghosts are Returning
01 Nov. 2021—31 März 2023
Deutschland, D.R. Kongo, Schweiz

The Ghosts are Returning

Eine europäisch-kongolesische Kooperation

1952 schnürte in der kongolesischen Provinz Ituri ein Schweizer Arzt sein Gepäck. In Genf überreichte jener Boris Abé seine Mitbringsel dem Lehrstuhl für Anthropologie: Neben einem Leoparden hatte er sieben menschliche Skelette nach Europa überführt. Leichenschändung im Namen der Wissenschaft, in diesem Fall verbrämt durch die vermeintliche Zustimmung der Angehörigen. Die bezweifelt heute die Universität Lubumbashi, der die noch immer in Genf aufbewahrten Körper seit 2019 überschrieben sind. Für das kongolesisch-europäische Musiktheaterprojekt "The Ghosts Are Returning" machen sich die Performer*innen der Group50:50 auf die Suche nach den Nachkommen: Sollen die Skelette – und damit die Geister ihrer Ahnen – in die Heimat zurückkehren?

Die Geister der Vergangenheit

Schon für "Herkules von Lubumbashi – ein Minenoratorium" von Dorine Mokha und Elia Rediger arbeitete PODIUM Esslingen mit dem Centre d‘Art Waza in Lubumbashi zusammen. Aus dem Musiktheaterprojekt ging vor zwei Jahren die Performance-Gruppe Group50:50 hervor, die das nun startende Projekt wesentlich gestaltet. "The Ghosts Are Returning" setzt sich mit Fragen auseinander, die in Europa seit einer Rede des französischen Präsidenten Macron 2017 in Ougadougou, in Deutschland spätestens mit den Debatten um das Berliner Humboldt-Forum vernehmlich lauter gestellt werden. Fragen, die in Ländern, die noch vor wenigen Jahrzehnten kolonialisiert waren, schon seit der Zeit der Staatsgründungen zentral sind: Fragen nach dem Umgang mit und der Rückgabe von kolonialem Raubgut in europäischen Museen und Institutionen. Menschlichen Überresten gilt dabei besondere Sensibilität – oder besser: sollte gelten, denn die Diskussionen dieser Tage erweisen sich oft genug als die bloß verschleierte Kontinuität kolonialen Denkens. Wie "Herkules" findet auch "The Ghosts Are Returning" unter der künstlerischen Leitung von Christiana Tabaro, Michael Disanka, Elia Rediger und Eva-Maria Bertschy im postdokumentarischen Theater seine Form, das biographische Erzählungen der Performenden und dokumentarische Fragmente in ein politisch wie künstlerisch konsequentes, multimediales und multiperspektivisches Kunstwerk verwandelt. Die Uraufführung ist für den Herbst 2022 geplant, nach einer Tour durch Europa mit Stationen u.a. in Stuttgart, Basel, Bregenz, Leipzig und Berlin wird das Stück im Kongo gezeigt.