PODIUM ESSLINGEN
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Postkolonialer Salon

Di.03 Mai
19:30 Uhr
KOMMA
20 € / erm. 8 €

Dieses Werkstattkonzert und der anschließende Dialog mit den Komponisten und Musikern Elia Rediger und Kojack Kossakamvwe greifen die wichtige Frage nach Restitution, nach Rückgabe der aus den ehemaligen Kolonien stammenden Güter, Kunstwerke und Körper auf. Beim kongolesisch-europäischen Musiktheaterprojekt “The Ghosts are returning” geht es um menschliche Überreste, die in den 1950er Jahren aus dem nördlichen Kongo an die Universität Genf gelangten. Die Performer:innen der Group50:50 begeben sich auf die Suche nach den Nachfahren. Sollen die Skelette – und damit die Geister ihrer Ahnen – in die Heimat zurückkehren?

1952 schnürte in der kongolesischen Provinz Ituri ein Schweizer Arzt sein Gepäck. In Genf überreichte jener Boris Abé seine Objekte dem Lehrstuhl für Anthropologie: Neben einem Leoparden hatte er sieben menschliche Skelette nach Europa überführt. Haben die Angehörigen damals zugestimmt? Das bezweifelt heute die Universität Lubumbashi, der die noch immer in Genf aufbewahrten Skelette  seit 2019 gehören. Für das kongolesisch-europäische Musiktheaterprojekt “The Ghosts Are Returning” machen sich die Performer*innen der Group50:50 auf die Suche nach den Hinterbliebenen und stellen die Frage: Sollen die Skelette – und damit die Geister ihrer Ahnen – in die Heimat zurückkehren?

Schon für “Herkules von Lubumbashi – ein Minenoratorium” von Dorine Mokha und Elia Rediger arbeitete PODIUM Esslingen mit dem Centre d‘Art Waza in Lubumbashi zusammen. Aus diesem Musiktheaterprojekt ging vor zwei Jahren die Group50:50 hervor, die das neue  kongolesich-europäische Projekt wesentlich gestaltet und sich je hälftig aus kongolesischen und europäischen Künstler*innen und Kulturschaffenden zusammensetzt. “The Ghosts Are Returning” setzt sich mit Fragen auseinander, die in Europa seit einer Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron 2017 in Ougadougou, in Deutschland spätestens mit den Debatten um das Berliner Humboldt-Forum vernehmlich lauter gestellt werden. Fragen, die in Ländern, die noch vor wenigen Jahrzehnten kolonialisiert waren, schon seit der Zeit der Staatsgründungen zentral sind: Fragen nach dem Umgang mit und der Rückgabe von kolonialem Raubgut in europäischen Museen und Institutionen. Menschlichen Überresten gilt dabei besondere Sensibilität – oder besser: sollte gelten, denn die Diskussionen dieser Tage erweisen sich oft genug als die bloß verschleierte Kontinuität kolonialen Denkens.

Im “Postkolonialen Salon” führen Elia Rediger und Kojack Kossakamvwe mit Musiker*innen des Projekts in die Thematik ein, vor allem präsentieren sie aber in einem Werkstattkonzert eine Vorschau auf das Stück, das im September in Düsseldorf Premiere feiern und danach im Theaterhaus in Stuttgart gezeigt wird.

Gefördert im Fonds TURN2 der Kulturstiftung des Bundes – gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Weiterhin gefördert vom Fachausschuss Tanz & Theater BS/BL und der Stiftung Pro Helvetia. 

Foto: Christoph Püschner / Zeitenspiegel





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